Arnold Krieger
(1904-1965)

 

Kindheit, Jugend
und erste Vertreibung


Die Schnellzüge, die von Paris nach Sankt Petersburg über die Weichsel-Brücke in Dirschau rasten, gehörten zu den bedeutendsten Jugenderlebnissen Arnold Kriegers. Er hat sich schon früh als Brückenbauer zwischen den Nationen gesehen und wurde dementsprechend Student und Förderer der Welthilfssprache Esperanto.


Geboren wurde Arnold Krieger am 1. Dezember 1904 in der Weichselstadt Dirschau. Die Gymnasialjahre verbrachte er in Thorn. Weil das ganze Weichselgebiet nach dem Ersten Weltkrieg im „Polnischen Korridor“ lag, zog die Familie Krieger nach Westen, nach Stettin, wo sein Vater eine Stelle als Rektor einer Mittelschule bekam. Das war allerdings nur die erste von drei Vertreibungen, die Arnold Krieger erleben sollte.

 

Studienjahre, erste Schaffensperiode
und zweite Vertreibung


Krieger studierte Philologie in Greifswald, Göttingen und Berlin. Schon 1927 wurde sein erstes Schauspiel im Stettiner Stadttheater uraufgeführt. 1934/35 veröffentlichte er vier Bücher: zwei historische Romane über den Burenkrieg in Südafrika und über das deutsch-polnische Verhältnis vor dem Ersten Weltkrieg und auch zwei zeitgenössische Eheromane. Ernst Rowohlt war sein erster Verleger. Sechs Jahre später lieferte der Burenkrieg-Roman gegen Kriegers Willen gewisse Motive für den berühmten antibritischen Propagandafilm Ohm Krüger von Emil Jannings.


1936 wollte Arnold Krieger nach Dänemark auswandern. Dieser Versuch scheiterte allerdings, da ihm der Pass entzogen wurde. Infolgedessen zog er sich auf die Ostseeinsel Wollin zurück und veröffentlichte bis 1939 keine Bücher mehr. Dann erschienen zwei neue historische Romane, über das deutsch-polnische Verhältnis im 18. Jahrhundert und über Südafrika nach dem Burenkrieg.

1942 heiratete Arnold Krieger eine Frau aus Wien, die er dann nach Pommern holte. Seine Frau Tuja wurde seine treue Weggenossin, Mitarbeiterin und Mutter seiner drei Töchter.

Auch im Jahre 1942 veröffentlichte er den biografischen Roman So will es Petöfi, der das Leben des berühmten ungarischen Dichters und Freiheitskämpfers Sandor Petöfi darstellt. Noch in demselben Jahr kehrte er mit Das Urteil zur Gattung des Gegenwartsromans zurück, in dem der Unterschied zwischen Gesetz und Gerechtigkeit ausgelegt wird und in dessen Einleitung eine vielleicht verschleierte, aber unerwartet gewagte politische Aussage zu finden ist: „Der Totalitätsanspruch des Staates ist falsch... Das Volk steht über dem Staat“. Bis 1951 hat er keine Romane mehr veröffentlicht.


Ungefähr ein Jahr vor dem Ende des Krieges veröffentlichte der vor allem bis dahin als Romancier bekannte Schriftsteller auch einen Gedichtsband Das schlagende Herz (Rütten & Loening), dessen Titel eine heimliche Kritik auf das kurz zuvor erschienene Buch Das eherne Herz von Joseph Goebbels zu sein scheint. Diese Gedichte wurden in den Nachkriegsjahren dreimal neu aufgelegt.

 

Kriegsende und dritte Vertreibung


Nach Kriegsende kam die Insel Wollin unter polnische Verwaltung. Infolgedessen waren Arnold und Tuja Krieger heimatlos. Die Vertriebenen landeten endlich (ohne Pass) in der Schweiz, wo ihre erste Tochter 1948 geboren wurde. Hier gründete Krieger Das eigentliche Leben, eine Zeitschrift, in der er seine Ideen zur Förderung der Menschheit entwickelte und ein „revolutionäres Christentum“ anstrebte.


Seine zweite Tochter kam 1951 in der Schweiz zur Welt, aber erst zwei Jahre später gelang es der Familie Krieger endlich, ein richtiges Zuhause zu finden. Seinen Kampf mit den schweizerischen Behörden und die daraufhin folgende, dritte Vertreibung seines Lebens, die 1953 mit der Umsiedlung nach Darmstadt zu Ende ging, schilderte Arnold Krieger in dem autobiografischen Buch Zwei zogen aus.

 

Neues Zuhause in Darmstadt
und Höhepunkt seines Schaffens


Die darmstädter Jahre waren trotz der großen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit in Deutschland eine verhältnismäßig ruhige und produktive Zeit für Arnold Krieger. Innerhalb von vier Jahren erschienen vier neue Romane, darunter sein Meisterwerk Geliebt, gejagt und unvergessen, die Odyssee einer afrikanischen Fürstentochter, die trotz mancher Bedrohung ihre Würde und Selbstständigkeit zu bewahren weiß. Während die meisten Autoren seiner Zeit sich dem Zynismus und der Resignation hingaben, glaubte Arnold Krieger noch an das Gute im Menschen. Am Ende seines Essays „Ist Albert Schweitzer ein Heiliger?“ schrieb er: „Uns allen ist es auferlegt, die feierlichen Gewänder der Resignation an den Nagel zu hängen und das zu tun, was der gute Geist unserer Zeit von uns fordert.“

Geliebt, gejagt und unvergessen liegt in mehr als zwei Millionen Exemplaren vor und ist heute noch lieferbar. Es hat Arnold Krieger zu einem der meistgelesenen deutschen Autoren der Nachkriegszeit gemacht. Seine letzten zwei Romane waren ein Gegenwartsroman mit autobiografischen Zügen und eine „Romeo und Julia“ Geschichte aus der Zeit desWirtschaftswunders, genannt Der Kuckuck und die Zerreißprobe.


Arnold Krieger hielt sich nicht nur von dem damaligen Literaturbetrieb, sondern auch von der Politik im engeren Sinne des Wortes fern. Trotzdem war er zu dieser Zeit auch „politisch“ engagiert. Er wollte einen „Weltbund freier Menschen“ gründen. Dieser sollte im Sinne Albert Schweitzers, den Krieger sehr verehrte, die Entwicklung einer Art „geistigen Lambarenes“ in Europa herbeiführen. Aus diesem utopischen Gedanken ist leider wenig geworden. Sein politisches Vermächtnis über Macht und Menschheit hinterließ er aber in seinem Buch Stärker als die Übermacht (Seewald, 1961). Vier Jahre später ist er nach einer Gallenoperation in Frankfurt am Main gestorben.


1967 wurde der Freundeskreis Arnold Krieger, e.V., gegründet, der bis zu seiner Auflösung im Dezember 2003 und in Zusammenarbeit mit seiner Frau Tuja Krieger den Nachlass des Dichters betreute.


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